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Biografie und Reviews

Kirsten Reese wurde 1968 in Kiel geboren und wuchs im Rheinland, in Hongkong und in den Philippinen auf. Sie studierte Flöte, elektronische Musik und Komposition in Berlin (Hochschule der Künste, Technische Universität) und 1992/93 in New York. Sie war als Flötistin, Autorin und Kuratorin im Bereich der zeitgenössischen Musik und Klangkunst tätig.

Als Komponistin und Klangkünstlerin komponiert und produziert Werke für elektronische Medien und Instrumente sowie intermediale und interaktive Installationen. Eine hervorgehobene Rolle spielen bei ihren Arbeiten raum- und wahrnehmungsbezogene sowie performative und narrative Aspekte.

Einen Schwerpunkt bilden Kompositionen, temporäre Installationen und Audiowalks für Landschaften und den urbanen Außenraum, z.B. "KlangBallon" (2010) für Instrumente, mobile Lautsprecher, Sensordaten und drei Trompeter im Heißluftballon, "no voice audible but that of the sea on the far side" (2013), eine Klanginstallation in einem schalldämpfenden Zylinder im Aarhuser Hafen. Viele Arbeiten thematisieren Aspekte "dokumentarischen Komponierens", z.B. die 24-kanalige Klanginstallation "Debatte" (mit Enrico Stolzenburg, Donaueschinger Musiktage 2013). Kirsten Reeses Interesse für die Kontextualisierung von Medien/Mediengeschichte und die Spezifität und Aura von medialen Instrumenten spiegelt sich in der Komposition "the lightest words had the weight of oracles" für historischen Fairlight Synthesizer/Sampler und E-Gitarre (2014). Ein weiterer Schwerpunkt der letzten Jahre lag in der Klanggestaltung für Theaterinszenierungen (zahlreiche Uraufführungen am Deutschen Nationaltheater Weimar) in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Enrico Stolzenburg.

Kirsten Reese erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, u.a. Gastkünstlerstipendium ZKM Zentrum für Kunst- und Medientechnologie 2011, Nominierung/Sonderpreis Deutscher Klangkunstpreis 2010, Villa Aurora Los Angeles 2009, Cité des Arts Paris 2005/06, Stiftung Kulturfonds 2001. Ihre Arbeiten wurden international in Ausstellungen und auf Festivals gezeigt, u.a. Heroines of Sound 2015, Kunstfest Weimar 2015, Festival attaca 2014, Donaueschinger Musiktage 2006/2013, SPOR Festival Aarhus 2013, Wittener Tage für neue Kammermusik 2011, Festival Rümlingen 2007/2010, Borealis Festival Bergen 2009, MIBEM Festival Melbourne 2008.

Seit 2005 unterrichtet sie an der Universität der Künste Berlin in elektroakustische Komposition. 2007 - 2009 war sie dort Gastprofessorin für künstlerische Transformationsprozesse. 2011 war sie Dozentin im Studiengang Musik und Medienkunst an der Hochschule der Künste Bern.

2010 erschien im Wolke Verlag der Katalog Medien Klang Konstellationen.

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Reviews

Spannungsreicher ist The lightest words had the weight of oracles von Kirsten Reese. Schillernde Klangflächen, faszinierende Obertonstrukturen und eine kluge Dramaturgie kennzeichnen dieses Werk. Und dafür braucht es weder eine Materialschlacht noch eine philosophisch grundierte Einführung, sondern schlicht tonsetzerisches Handwerkszeug.
Markus Dippold, Stuttgarter Zeitung 17.11.2014

Most impressive among the festival's commissions was Kirsten Reese's no voice audible but that of the sea on the far side, a site specific installation inside a giant, rustic cofferdam parked on the quayside. This imposing cylindrical tower was designed to sit on the seabed and muffle the noise opollution of piledrivers, but Reese exploited the unique resonant properties of its interior, projecting laboratory recordings of 'fish voices', sometimes processed through Fairlight sequencers, producing a poetic ambiguity between organic and electronic sounds which seemed to spiral upwards, directing the audience's attention to the perfect blue disc of Danish sky formed by the cofferdam's opening.
Leo Chadburn, The Wire, issue 354 2013, p.80

Eine Burgruine ist an sich noch kein besonders spektakulärer Ort. Eigentlich reiht sich auch die halb verfallene Festung Hardenstein in der Nähe von Witten in die stattliche Zahl jener Ziele ein, die gern für ein Picknick genutzt werden und ansonsten nicht weiter auffallen. Doch wer sich an diesem Wochenende dem alten Gemäuer näherte, der wurde mit äußerst ungewöhnlichen Dingen konfrontiert: Schon bevor man den hübsch restaurierten Turm erspäht, beginnen plötzlich Bäume, Büsche und Gräser zu flüstern, Stimmen erzählen von irgendeinem Goldemar und seinen Taten, Schreie und Krächzlaute sind zu hören, es knistert und knackt. In Hardenstein angekommen, umschmiegen einen dann eher sanfte Klänge, die kurzzeitig zu Brummlauten und wuchtigen Tonballungen anwachsen. An vielen Stellen des Mauerwerks hängen Lautsprecher und ein Rudel hübscher junger Damen in nachtschwarzer Kleidung trägt weitere Klangquellen durch die Gegend. Auf einmal schnaubt eine echte alte Eisenbahn angestrengt, ja fast wütend durch die Szenerie. Die Kieler Klangtüftlerin Kirsten Reese hat diesen Hörparcours geschaffen, der ungemein sinnlich ist, alle Sinne öffnet und noch lange nachhallt. Im Zentrum steht der schon erwähnte Goldemar, eine Art Ruhr-Pumuckl. Goldemar wurde einst gefangen, was ihm überhaupt nicht gefiel und zu Racheakten führte. Es waren allerdings keine harmlosen Meister-Eder-Streiche, Goldemar riss seinen Fänger kurzerhand in Stücke und kochte ihn! Nach Verlassen dieses eindrucksvoll raunenden Klangraums trifft man am nahen Flusschen auf Angler, die Musikfische an Land ziehen...
Jörn Florian Fuchs, DeutschlandRadio Fazit, 8.5.2011